Das Preisgefälle – Luxemburg und Trier im Vergleich

Fünfundachtzig – vielen Pendlern aus Trier ist diese Zahl bestens bekannt. Denn für 85 Euro kann man sich Inhaber eines Monatstickets nennen. Man kann von Trier aus zu seiner Arbeitsstelle in Luxemburg fahren und zusätzlich alle Busse und Bahnen im gesamten Großherzogtum nutzen. Doch wie kann es sein, dass für den gleichen Preis gerade mal ein Monatsticket für die Stadt Trier erhältlich ist?

Preisgefälle© A_Bruno-Fotolia

Die Ursache ist schnell gefunden, gewaltige Unterschiede in der Subventionierung und Finanzierungsart sorgen dafür, dass sich der öffentliche Personennahverkehr in Luxemburg immer größerer Beliebtheit erfreuen darf, während die Verkehrsunternehmen in der Region Trier um jeden Fahrgast kämpfen müssen. Leicht entsteht der Eindruck, dass die eine Seite den ÖPNV möchte und auch fördert, während die andere nur die Nötigste finanzielle Unterstützung liefert. So finden auf deutscher Seite lediglich Subventionszahlungen im Schüler- oder Schwerbehindertenbereich statt. Um zu überleben, müssen die Unternehmen wirtschaftlich agieren, ihre Einnahmequellen sichern, das Angebot auf prosperierenden Strecken ausbauen und auf eher schwächeren reduzieren. Zur Verärgerung des Kunden werden so, gerade in ländlichen Gebieten, immer mehr Fahrten gestrichen. Dass das auch anders geht, zeigt unser luxemburgischer Nachbar. Das Einnahmerisiko liegt dort beim Staat. Ähnlich zu Athleten, die bei Olympia antreten, gehen alle erzielten Gewinne der Verkehrsunternehmen an den Staat. Er gibt den Tarif vor und bezahlt die Verkehrsunternehmen anhand der gefahrenen Kilometer, Bruttobasis nennt man das. Dass luxemburgische Unternehmen im Rahmen der Verträge weitere Subventionen erhielten, führte jüngst zu Standortvorteilen, die genutzt wurden, um sich auch für Strecken auf deutschem Boden zu bewerben. Mit dem Jahre 2017 wird nun zumindest formell für Waffengleichheit gesorgt. Luxemburg wird gemäß EU-Richtlinien ausschreiben müssen. Deutsche Unternehmen erhalten so die Möglichkeit, sich auch im Nachbarland auf Streckenbündel zu bewerben. Doch was ändert sich für den Kunden? Wird das Preisgefälle womöglich angeglichen? Was sich im Genauen ändert, steht noch in den Sternen. Fest steht:

Will man von deutscher Seite aus das Preisgefälle kippen, ist man zu allererst auf politischer Ebene gezwungen, das Prioritätsgefälle anzugreifen.




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